Spezialeinheit WEGA: 20 Schüsse und ein Toter

Letzten Freitag hat die Spezialeinheit WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarm) der Wiener Polizei einen Mann erschossen. Mehrere Zeitungen (wien.orf.at, Presse, Presse) und Wien heute berichteten darüber.

Die Kurzfassung:
Die WEGA wurde gerufen, nachdem ein Mann mehrere Personen und die ersten StreifenpolizistInnen vor Ort mit einem Messer bedrohte und in seine Wohnung floh. Als die WEGA-Polizisten* die Wohnungstüre mit einer Ramme öffnen wollten, öffnete der Mann überraschend die Türe und stach auf den ersten WEGA Polizisten mit einem Messer ein. Die WEGA Polizisten gaben 20 Schüsse auf den Mann ab und trafen diesen tödlich. Der WEGA Polizist blieb dank seiner Schutzweste unverletzt.

Ähnlicher Fall im Jahr 2012

Der Fall erinnert an einen ähnlichen Fall aus 2012, wo die Polizei ebenfalls mit einem Messer von einer psychisch verwirrten Frau in deren Wohnung attackiert wurden und die StreifenpolzistInnen insgesamt 9 Schüsse auf die Frau abgaben. Die Frau überlebte schwer verletzt und wurde im Strafprozess in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher bedingt eingewiesen (Presse, Standard).

Im Unterschied zum aktuellen WEGA-Fall war die Messerattacke aber eine „echte“ Überraschung: Die Polizei kam eigentlich wegen eines gemeldeten Brandes und die Frau versteckte sich mit Messern hinter dem Duschvorhang). Die vielen Schüsse – insgesamt neun – erklären sich daher aus der panikartigen Reaktion in einer Notwehrsituation. Kritisiert wurde damals unter anderem, dass einfache StreifenpolizistInnen mit agressiven psychisch kranken Menschen überfordert seien und besser die Spezialeinheit WEGA diese Einsätze vornehmen sollte.

Wieso so viele Schüsse?

Im gegenständlichen Fall geschah aber genau das: Die Spezialeinheit WEGA wurde gerufen. Im Unterschied zum Fall aus 2012 wusste die WEGA auch, dass der beschuldigte Mann ein Messer hatte, war daher auf diese Situation vorbereitet. Dass die WEGA-Polizisten sich in einer Notwehrsituation befanden und die Schüsse grundsätzlich gerechtfertigt waren, ist den Medienberichten nach unumstritten. Die Frage die sich stellt, ist aber wieso so viele Schüsse?

Von einer Spezialeinheit sollte man erwarten können, dass sie auch mit Messern Bewaffnete überwältigen und festnehmen können. Genau solche Szenarien und Zugriffe trainieren die WEGA Polizisten und finden regelmäßig in der Praxis statt (Bsp 1, Bsp 2). Ein WEGA-Polizist sollte auch mit einem plötzlichen Angriff bei einer Hausdurchsuchung rechnen und in so einer Situation gezielt Schüsse abgeben können und nicht wild herum ballern.

Waren die WEGA-Polizisten wirklich so überrascht oder erklären sich die vielen Schüsse aus dem Gebrauch eines Maschienengewehrs? Die Ermittlungen des Bundesamtes für Korruptionsbekämpfung (BAK) bringen hoffentlich zu Tage was genau passiert ist. An eine Spezialeinheit sollte man jedenfalls den Anspruch eines gezielteren Einsatzes ohne Toten stellen.

*Anmerkung: Männliche Form, weil es bei der Spezialeinheit WEGA derzeit nur Männer und keine Frauen gibt.

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