Von B wie Bereitschaftseinheit bis W wie WEGA

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nowkr 2014, Quelle: Daniel Weber

Dieser Text mag etwas technisch sein, es erscheint mir aber notwendig, über den grundlegenden Aufbau der österreichischen Polizeieinheiten und deren Organisation bei Demonstrationen zu schreiben, da es dazu bisher nur sehr wenig aufbereitete Informationen gibt.

 

Großer Sicherheits- und Ordnungsdienst (GSOD)

Als GSOD-Einsätze bezeichnet man innerhalb der Polizei den Einsatz von sogenannten geschlossenen Einheiten, also den Einsatz von Polizeigruppen, die militärisch organisiert agieren. Geschlossene Einheiten kommen in der Praxis va bei Demonstrationen, Staatsbesuchen und Sportveranstaltungen wie Fußballspielen zum Einsatz, theoretisch sind sie aber auch für die Niederschlagung von Streiks oder Aufständen einsetzbar. Zumindest bis 2008 wurden Veranstaltungen von der Polizei in Friedliche, Halbfriedliche und Unfriedliche eingeteilt.

Der GSOD setzt sich aus unterschiedlichen Polizeieinheiten zusammen. Man unterscheidet Einsatzeinheiten, Ordnungsdiensteinheiten und in Wien zusätzlich auch Bereitschaftseinheiten und die WEGA. Durch taktischen Zeichen auf der Uniform lassen sich diese unterschiedlichen Einheiten auseinander halten.

Taktische Unterscheidungszeichen

Im GSOD eingesetzte PolizistInnen haben üblicher Weise am Rücken und zum Teil auch am Schutzhelm taktische Zeichen. Diese Zeichen erlauben lediglich einen Rückschluss welcher Einheit der oder die PolizistIn zugeteilt ist. Einheiten sind üblicher Wiese in Kompanien, diese in Züge und diese wiederum zum Teil in Gruppen unterteilt. Jede Kompanie und jeder Zug haben eineN Kommandanten/Kommandantin, der oder die wiederum an seiner/ihrer taktischen Kennzeichnung erkennbar ist.

Als Beispiel:

U340

Eine Kennzeichnungspflicht wie sie beispielsweise in Berlin seit kurzem existiert, wo jedem und jeder PolizistIn eine individuelle Nummer zugewiesen ist, gibt es bei der österreichischen Polizei nicht.


>>> Übersicht der taktischen Unterscheidungskennzeichen
>>> Übersicht der Dienstabzeichen des GSOD der Polizei

Einsatzeinheiten (EE)

In Österreich gibt es im Unterschied zu Deutschland für Großveranstaltungen keine fixen bereitstehenden Polizeieinheiten wie die deutsche Bereitschaftspolizei. Seit 2006 gibt es aber in Österreich sogenannte Einsatzeinheiten (EE). Das sind PolizistInnen, die normaler Weise auf Polizeiwachen arbeiten und bei Großveranstaltungen in die Einsatzeinheiten abberufen werden.

PolizistInnen in den Einsatzeinheiten melden sich dazu freiwillig, müssen sportliche Leistungstests bestehen und werden regelmäßig geschult und für Einsätze in der Gruppe trainiert. Einsatzeinheiten haben eine fixe Ausrüstung (Körperschutz, Helm, Tonfa-Schlagstock, Reizgasspray (RSG-8), Plexiglasschild).

Pro Bundesland existiert eine Einsatzeinheit, die wiederum in Kompanieen und Züge unterteilt ist. Jede Einsatzeinheit hat einen eigenen Rufnamen und Kürzel, das am Rücken getragen wird. In Wien heißt die Einsatzeinheit zum Beispiel ULAN. Diese Einheiten erkennt man an dem U am Rücken der Uniform und manchmal auch am Helm. Zumindest in Wien sind aber Einsatzeinheiten oft noch mit alten unbeschrifteten grauen Overalls im Einsatz.

Übersicht der Einsatzeinheiten:

Bundesland Rufname Kürzel Bundesland Rufname Kürzel
Burgenland WULKA B Steiermark DACHSTEIN ST
Kärnten LUCHS K Tirol HABICHT S
Niederösterreich SCHNEEBERG N Vorarlberg PFÄNDER V
Oberösterreich LENTOS O Wien(EE) ULAN U
Salzburg TAURUS S Wien(ODE) DELFIN D

Sondereinsatzmittel und -fahrzeuge

Einige PolizistInnen in den Einsatzeinheiten werden auch für „Sondereinsatzmittel“ wie IFEX-Impulsfeuerlöscher, Mehrzweckpistolen (HK69) für Tränengas, Panzerwagen (Sonderwagen 4) und für Wasserwerferfahrzeuge ausgebildet. Diese Waffen kommen in Österreich aber fast nie zum tatsächlichen Einsatz.

Ordnungsdiensteinheiten (ODE)

Ordnungsdiensteinheiten sind Reservekompanien, die Einsatzeinheiten unterstützen und vor allem bei von der Polizei als friedlich eingestuften Demos zum Einsatz kommen. Im Unterschied zu Einsatzeinheiten sind die PolizistInnen in den Ordnungsdiensteinheiten nicht freiwillig dabei und nicht besonders geschult oder trainiert. In der Praxis zeigt sich das darin, dass derartige Einheiten recht unkoordiniert in der Gruppe agieren. In Wien heißen die ODE Einheiten Delfin und haben am Rücken der Uniform ein D.

Bereitschaftseinheiten (BE)

Seit Herbst 2012 gibt es in Wien die sogenannte Bereitschaftseinheit (BE). Die Bereitschaftseinheit ist derzeit am Josef-Holaubek-Platz kaserniert und setzt sich aus 110 jungen und deswegen unerfahrenen PolizistInnen zusammen, die nach ihrer Ausbildung und kurzer Praxiszeit in die Bereitschaftseinheit für sechs Monate wechseln. Eingesetzt wird die Bereitschaftseinheit derzeit va zur Entlastung der ODE-Einheiten bei von der Polizei als friedlich eingestuften Demonstrationen, bei U-Bahn-Patrouillen und Schwerpunktaktionen. Die Bereitschaftseinheit ist jedenfalls aufgrund ihrer Zusammensetzung nicht als Spezialeinheit oder Ablöse der Einsatzeinheiten anzusehen.

WEGA – Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung

U340Die WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung) ist eine Spezialeinheit und in der Rossauer Kaserne in Wien stationiert. Bei Demonstrationen kommt diese Polizeieinheit bei Bedarf österreichweit zum Einsatz. Die WEGA ist am ehesten mit der Bereitschaftspolizei in Deutschland zu vergleichen, sowohl was Ausrüstung, Ausbildung, Einsatztaktik aber auch Brutalität beim Eingreifen betrifft. Dies sieht man auch daran, dass diese Einheit von der deutschen Polizei den Einsatz von sogenannten Greiftrupps und den Einsatz von Stabkameras, übernommen hat.

wega_taktische unterscheidungskennzeichen

Beispiel für taktische Unterscheidungskennzeichen der WEGA Einheiten

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